Wie führen wir eigentlich unsere Beziehungen?

Gibt es so etwas wie Grundmuster, denen wir alle verfallen? Oder gibt jeder von uns in einer Beziehung alles, auch wenn es manchmal schwer fällt?

"Machst du dich aus dem Staub, wenn es schwierig wird?"


Zuerst lernen sich zwei Menschen kennen, verlieben sich irgendwann ineinander und sind anschließend auf Wolke 7. Beide sind überglücklich und alle Probleme rundherum sind nicht mehr so schlimm. Da ist jemand, der einen hält, der alles vergessen macht. Jemand, bei dem alles Sinn ergibt. Die Liebe fürs Leben. Mitunter wird sogar schnell geheiratet, um den Anderen an sich zu binden, damit man nicht mehr alleine ist. Nach den ersten Monaten wird es dann routinierter und der Alltag kehrt allmählich ein. Der Andere gehört jetzt zu meinem Leben. (Hmmmmm, aber er oder sie ist doch ganz anders als z. B. meine Eltern. Wie konnte ich das nur übersehen, denn jedes Mal, wenn wir bei meinen oder des Partners Eltern sind, merk ich, wie anders meine bessere Hälfte ist und es liegt eine gewisse Schwere in der Luft)

Und dann irgendwann fangen auf einmal einige Dinge an zu nerven. Doch warum nervt plötzlich vieles von dem, was mich anfangs wie ein Magnet zu meinem Partner hingezogen hat? War ich wirklich blind vor Liebe, hatte ich wirklich die rosarote Brille auf oder bin ich insgeheim vor etwas geflohen, vielleicht ja vor meinem eigenen Schatten?

"oder entscheidest du dich, dich deinem Schatten zu stellen?"


Bitte lies die nächsten Zeilen und halte danach kurz inne. Versuch dir die folgenden Fragen zu beantworten. Sei ehrlich zu dir selbst, auch wenn es sich im ersten Moment vielleicht ungewohnt anfühlen könnte:

  1. Haben mein Partner und ich die gleichen Erfahrungen im Leben gemacht?
  2. Haben wir den gleichen Typ Eltern?
  3. Haben wir die gleichen Verletzungen erlitten und Mauern aufgebaut um uns vor/in unserem Umfeld zu schützen?
  4. Fliehen wir beide vor unseren Ängsten oder sind uns dessen noch gar nicht bewusst?
  5. Versuchen wir beide es zu verbergen, wenn wir verletzt oder traurig sind oder können wir in solchen Momenten offen und ehrlich mit unserem Partner reden?

Nach der ersten intensiven Phase der Verliebtheit pegeln wir uns mit der Zeit  auf einem normalen Level ein, doch JETZT kommen die jeweiligen Vergangenheiten und Konditionierungen beider Partner zum Vorschein. Je nachdem, was wir vorher für Erfahrungen gemacht haben, fühlen wir uns mehr oder weniger geborgen und offen oder durch Ängste, Schuldgefühle  und eventuell Traumata gehemmt. Während unser Partner diese Art von Gefühlen nicht kennt und keinen Zugang zu ihnen hat, fällt es uns häufig schwer, diese Gefühle mit unserem Partner zu teilen. Vieles ist verschüttet und hindert uns daran, über unseren Schatten zu springen. Das hält uns davon ab, unserem Partner das zu geben und das zu sagen, was vor ein paar Monaten noch das Schönste der Welt war. Wir fliehen davor, bauen weitere Mauern auf und sind irgendwann für den anderen nicht mehr erreichbar. Das Ende ist fast immer gleich: Es passt nicht mehr; wir haben uns auseinandergelebt; etc. Dabei vergessen wir, dass es mal sehr gut gepasst hat und dass zu dieser Zeit die Gedanken im Kopf ganz andere waren als jetzt.


Das hält uns davon ab, unserem Partner das zu geben und das zu sagen, was vor ein paar Monaten noch das Schönste der Welt war.



Kommt es dann wirklich zur Trennung, sodass wir wieder allein sind, ist erstmal etwas Dunkelheit aus unserem Leben gewichen. Die Dunkelheit, die das längere Zusammensein mit unserem Partner in uns zum Vorschein gebracht hat. Doch woher kam diese Finsternis? Kann es vielleicht sein, dass unser Partner als unser Spiegel fungierte und uns nur unsere eigenen Themen und Baustellen zeigte? Meist lehnen wir diese Vorstellung ab und wenden uns lieber unserer wohlvertrauten Routine zu, statt die Konflikte unserer Vergangenheit zu ergründen. 

      

MACHT DICH DAS GLÜCKLICH?

Warum gehen wir nicht einfach (wobei, einfach wird das nicht) allem auf den Grund – tief in uns? Warum lassen wir uns nicht von dem überraschen, was die nächsten Monate und Jahre in unserer Beziehung passiert? Mit der Zeit werden wir durch die Auflösung alter, unbearbeiteter Themen eine neue Freiheit und Leichtigkeit erreichen und diese Gefühle auch in unsere Beziehung tragen.

 

Das einzige Risiko dabei: Die Gefühle unserer großen Liebe gegenüber könnten noch stärker und intensiver werden, als sie in der Zeit unseres Frischverliebtseins waren. In dieser Zeit waren wir zwar glücklich, hatten aber immer noch unsere Mauern und Ängste im Gepäck, die nun bröckeln. Dieser Prozess wird sich fortsetzen und du dich immer freier und leichter fühlen - Vorsicht!!! 

 

„Wir sind, was wir denken. Alles, was wir sind, entsteht aus unseren Gedanken. Mit unseren Gedanken formen wir die Welt“     – Buddha

Versteh mich nicht falsch: Du sollst nicht um jeden Preis bei deinem Partner bleiben. Dennoch ist es ratsam, an den eigenen Glaubenssätzen und Herausforderungen zu arbeiten. Spätestens beim nächsten Partner läufst du sonst Gefahr, wieder in die gleichen Muster und Routinen zu verfallen, sowie den Richtigen auch dieses Mal nicht zu finden. Dann ziehst du immer wieder den gleichen Typ Mensch in dein Leben und musst wieder und wieder das gleiche Leid erfahren.

    

Doch wenn du denkst, dass da etwas in dir ist, was "gerne" angeschaut werden sollte, weil du dieses Etwas schon in und auswendig kennst, da es sich schon zig mal gezeigt hat, dann bist du bereit für Veränderung.