Die Krise nutzen


Wir befinden uns gerade in einer Zeit der Veränderung. Wir sind aktuell dazu aufgefordert unsere sozialen Kontakte einzuschränken. Ich denke, es spielt keine Rolle, ob dieser Virus nun gefährlich ist oder nicht. Die Politik sitzt nun einmal am längeren Hebel und setzt von Woche zu Woche größere Einschränkungen durch. Unsere Großeltern, die in Seniorenheimen leben, sind abgeschnitten von der Außenwelt und gehen gerade durch die schwere Zeit, in der es heißt, keine Kontakte zu der eigenen Familie zu haben. Sie sind zwar nicht alleine im Heim, aber ich denke, tief in Ihren Herzen ist es genau das, was Sie fühlen...Einsamkeit und Einigen geht wahrscheinlich die Sorge im Kopf herum, ob sie Ihre lieben überhaupt nochmal zu Gesicht bekommen. Das Einzige was wir tun können, ist uns bei Ihnen zu melden, vielleicht etwas häufiger als sonst und Ihnen diese Zeit schenken, auch wenn es nur ein paar Minuten sind. Minuten für das Herz und die Seele.  Dann sind da die, die gerade Höchstleistungen vollbringen. Ärzte, Krankenschwestern, Krankenpfleger, Verkäufer in den Supermärkten und und und. Sie geben in dieser schwierigen Zeit alles und finden wahrscheinlich nur wenig Ruhe oder versuchen alles, um ja nicht durchzudrehen, wenn es dann zuhause mit dem Alltagsstress weitergeht. Und schließlich alle, die zuhause sitzen und denen allmählich die Decke auf den Kopf fällt.

Wir alle sollten jetzt eins gemeinsam tun. Unseren Kontakt zu Medien, insbesondere den Nachrichten im Radio und TV, einschränken. Denn das, was da aktuell los ist, ist nicht mehr normal und vor allem eins...nicht gesund. Wir werden den ganzen Tag mit Angst konfrontiert. Warum tun wir uns das an? Oder ist es zum Teil auch Sensationsgier? Egal, was es ist. Fakt ist eins. Wir alle dürfen unsere Zeit zuhause sinnvoller nutzen, denn wir haben in den nächsten Wochen etwas ganz wichtiges: Viel Zeit für uns selbst. Vielleicht schaffen wir es, diese Zeit der Einschränkung als Chance zu nutzen, um uns mit allem, das uns Angst macht oder uns in Stress versetzt, auseinanderzusetzen, um uns dieser Veränderung anzupassen und gestärkt aus dieser Krise hervorzugehen. Wir haben aktuell nicht mehr viel Möglichkeiten uns abzulenken, wenn sich unterbewusst etwas negatives, das dann allmählich zum Vorschein kommt, ankündigt. Ablenkung ist in solchen Situationen das, von dem wir viel Gebrauch nehmen. Uns werden gerade ganz viele Ablenkungen genommen und viele beschäftigen sich aus diesem Grund mit den Nachrichten, um ja ständig auf dem aktuellen Stand zu sein oder um die neueste Sterberate zu kennen. Natürlich ist es sinnvoll, vielleicht einmal am Tag, die neuesten Auflagen zu erfahren, um auf andere Rücksicht zu nehmen oder sich dem ständig aktualisierten Corona-Bußgeldkatalog anzupassen. Da wir uns aber nun weniger ablenken können, sollten wir die Zeit, in der uns die Medien mit vielen indirekten Fragen bombardieren, nutzen, uns selbst mit einigen Fragen zu beschäftigen.

Solltest du seit einigen Wochen viel allein sein in deinen vier Wänden, dann ist jetzt die Zeit dir Fragen zu stellen.  Was hast du in deinem Leben erfahren und erlebt, dass du dort bist, wo du jetzt bist. Was ist der wahre Grund, warum du zum Beispiel schon längere Zeit alleine bist, ohne Partner/Partnerin. Oder warum hast du dich eventuell von deinem Partner getrennt? Was hast du durch diese Trennung gewonnen? Alle Dinge, die dazu geführt haben, dass du alleine bist, dürfen angeschaut, neu aufgerollt und verarbeitet werden. Genau jetzt ist der richtige Zeitpunkt dafür.

Solltest du gerade mit deinem Partner und deinen Kindern den ganzen Tag zusammen sein, aufgrund der geschlossenen Kindergärten und Schulen, wegen Kurzarbeit oder auch Quarantäne, dann könnte es sein, dass einiges hochkommt, was du sonst deckelst und dem du durch diverse Ablenkungen oder Hobbys aus dem Weg gehst. Genau jetzt, in dieser Zeit, kann niemand von uns mehr fliehen, auch ich nicht. Wir als Papa's können die Zeit nutzen, uns mit unserer Männlichkeit zu beschäftigen. Das heißt, zu überlegen, wie unsere Eltern in unserem Leben den Ton angeben oder wie diverse Verhaltensmuster ihrerseits unser Verhalten definieren. Du könntest die Zeit nutzen, um einen Weg zu finden, durch all die Mauern, die jeder von uns im Laufe seines Lebens aufgebaut hat, durchzukommen...um deine Vergangenheit zu ändern.

Ja, du hast richtig gelesen. Du kannst deine Vergangenheit ändern, in deinem Kopf. Du als junge Frau, Mama und Oma und du als junger Mann, Papa und Opa. Des weiteren kannst du, wie schon kurz erwähnt, deine Beziehung zu deinen Eltern hinterfragen, um in deine wahre Weiblichkeit und Männlichkeit zu kommen. Außerdem kannst du deine Beziehung zu deinem Partner analysieren und schauen, wo Verbesserungsbedarf besteht. Deine sonstigen zwischenmenschlichen Beziehungen zu deinen Freunden darfst du anschauen. Du kannst gerade soviel für dich tun. Du darfst jetzt anfangen ein präsenterer Papa oder eine präsentere Mama zu sein, sollte dich bis jetzt irgendwas davon abgehalten haben. Die Beziehung zu deinen Kindern zu vertiefen und Ihnen Liebe, Geborgenheit und vor allem Aufmerksamkeit zu schenken, könnte eine tolle Ablenkung vom Alltag sein. Das allerdings wird auf kurz oder lang deine Eltern wieder mit ins Spiel bringen, was wiederum mit Verletzungen und Mauern verbunden ist. Mauern, die wir alle vor langer Zeit um unser Herz herum aufgebaut haben, um uns in Zukunft vor erlebten Verletzungen zu schützen. Vor Verletzungen, die jeder von uns, mehr oder weniger intensiv, erfahren hat.

Um diese tiefgehende Veränderung anzugehen, benötigt es etwas mehr Ruhe im Kopf. Diese Ruhe der Gedanken, kann das Fundament sein für den langen aber lohnenswerten Weg der Veränderung hin zu mehr innerem Frieden, Freiheit und wahrem Glück. Das, meiner Meinung nach, beste Werkzeug für diesen Weg der Veränderung ist Meditation. Ich hab mich vor gut viereinhalb Jahren auf den Weg gemacht, Meditation in mein Leben zu integrieren. Damals dachte ich, meditieren bedeutet Entspannung. Das war es anfangs auch, doch mit der Zeit hat es sich verändert. Heute meditiere ich: um meine Kinder besser zu verstehen; um ein toller Ehemann zu sein; um die meißte Zeit am Tag inneren Frieden zu spüren, was mir nicht immer gelingt:-); um mich besser kennenzulernen, um mich von meinen Eltern abzunabeln; um zu merken, dass meine Wut, die meine Liebsten manchmal abbekommen, garnix mit Ihnen zu tun hat, sondern mit Dingen, die ich lange Zeit gedeckelt und zur Seite geschoben hab, um den Schmerz nicht zu spüren. Und dann durch Meditation die Ursache herauszufinden. Meditation kann zum einen Symptombekämpfung und zum anderen, und das ist noch viel wichtiger, Ursachenbewältigung sein.

Mir ist klar, dass es bei Youtube 1000 Meditationen und mehr gibt und von denen sind bestimmt 990 richtig gut. Doch rückblickend kann ich sagen, dass man zuerst Meditation verstehen sollte, bevor man sich an verschiedene Themen wie Dankbarkeit, Vergebung, das innere Kind usw. macht. Ich habe versucht in den vier Meditationen zu vermitteln, worum es geht. Mit der vierten Meditation solltest du vielleicht noch ein bisschen warten und dich stattdessen mit den ersten dreien beschäftigen. Viel Spaß damit.

 

Dein Nico